OBSBOT × Redpinata · Ein Praxisbericht
Diese Kooperation begann nicht mit einem Sponsoring-Deck. Sie begann mit einer Kamera, die wir selbst gekauft hatten – und mit der Frage, ob wir ihre Bewegungsdaten direkt in unsere Unreal Engine bekommen.
Die erste Tail 2 stand schon in unserem Green-Screen-Set, als wir OBSBOT kontaktierten. Kurz darauf kauften wir eine zweite. Dabei tauchte ein sehr konkretes Problem auf: Unreal Engine erkannte beide Kameras mit derselben ID. Unser Technikteam baute einen Workaround, wir schickten OBSBOT das Ergebnis – und aus einem technischen Austausch wurde eine Partnerschaft.
Das war für uns die richtige Reihenfolge. Erst muss ein System in einer echten Produktion funktionieren. Danach kann man darüber sprechen. Heute stehen je drei Tail 2 in zwei sehr unterschiedlichen Workflows: in unserer getrackten Virtual Production und im Video-Podcast-Studio. Weitere Kameras laufen bei Live- und IRL-Produktionen außer Haus.
Was dieser Beitrag ist: Die Bilanz aus zwei Studioproduktionen, mehreren Live-Einsätzen und einigen Dingen, die wir unterwegs selbst lösen mussten.
Virtual Production: weniger Kalibrierung, mehr Freiheit im Licht
Unser bisheriges Tracking arbeitete optisch mit Trackern und Lighthouses. Das kann sehr präzise sein, brachte in unserem Set aber einen dauernden Zielkonflikt mit: Freie Sicht für das Tracking oder freie Positionen für Licht, Monitore und Personen. Vor jeder Produktion kamen außerdem Reset, Messpunkte und Kalibrierung dazu.
Die Tail 2 liefert Pan, Tilt und Zoom selbst. Die Daten gehen über Ethernet in unsere Regie und von dort in Unreal Engine. Weil alle drei Kameras fest stehen und dasselbe Objektiv verwenden, müssen wir das Tracking nicht vor jedem Dreh neu aufbauen. Die Kamera kann nicht durch den Raum fahren – das behaupten wir auch nicht. Aber sie kann einer Person folgen, schwenken und zoomen, während der virtuelle Hintergrund perspektivisch mitläuft. Für unsere sitzenden und moderat bewegten Formate ist genau das der relevante Bereich.
Der Rest der Kette bleibt bewusst klassische Broadcast-Technik: Das Bild läuft per HDMI in die Regie, wird vor den Ultimatte-Keyern auf SDI gewandelt und anschließend über Videohub, HyperDecks und vMix verteilt. Die Tail 2 ersetzt also nicht unsere gesamte Infrastruktur. Sie entfernt den Teil, der uns vorher bei jedem Aufbau Zeit und Lichtpositionen gekostet hat.
Vier Blicke hinter den fertigen Frame – horizontal wischen:
Video-Podcast-Studio: nicht weniger Regie, sondern weniger Reibung
Im Video-Podcast-Studio war die Ausgangslage eine andere. Der Workflow war bereits schlank: drei Kameras, eine Person in der Live-Regie, ein fertig geschnittenes Video nach dem Zwei-Stunden-Slot. Vorher mussten wir dafür drei Sony A7S III vor jeder Produktion aufbauen und danach wieder abbauen. Während des Gesprächs blieben ihre Bildausschnitte statisch.
Die drei Tail 2 sollen fest installiert bleiben: eine Totale und zwei getrackte Closes. Die Crewgröße sinkt dadurch nicht – es bleibt bewusst ein Mensch in der Regie. Was wegfällt, ist das wiederkehrende Kamerarigging. Und wenn sich ein Gast zurücklehnt oder im Gespräch nach vorn geht, bleibt das Close brauchbar, ohne dass jemand eine Kamera von Hand nachziehen muss.
Im Studio führen wir die Bilder auf kurzen HDMI-Wegen in vMix und zeichnen Programm plus ISO-Signale auf. NDI nutzen wir hier bewusst nicht. Außer Haus ist es genau umgekehrt: Dort sind NDI und PoE interessant, weil Bild, Ton, Steuerung und Strom über ein Netzwerkkabel laufen können. SDI oder HDMI bleiben der zweite Weg, wenn es robust oder redundant sein muss.
Auch beim Format gewinnen wir Spielraum. Die Kamera kann per App von 16:9 auf 9:16 wechseln. Presets und Zoomstufen machen aus drei Kameras mehr als drei wiederholbare Ausschnitte. Das ist vor allem dann nützlich, wenn aus einer Aufzeichnung neben der langen Folge auch vertikale Clips entstehen sollen.
Aus dem Set und aus der Regie – horizontal wischen:
Und dann verließ die Kamera das Studio
Spannend wurde die Tail 2 für uns endgültig, als sie nicht nur im geplanten Setup funktionierte. Bei einer IRL-Produktion steuerte eine Person drei Kameras aus der Regie. Bei einem Livestream im Unwetter blieb eine Tail 2 trotz eines kurzen Stromausfalls über ihren internen Akku an. Als das Produktionsnetz ausfiel, blieb sie über ihr eigenes Netz erreichbar.
Genau deshalb sprechen Kim Dormann und Maxime Billon im dritten Film nicht über Datenblätter, sondern über Einsätze: lange Laufzeiten, Nachtbetrieb, Remote-Steuerung und die einfache Frage, wie viele Menschen man wirklich hinter Kameras stellen muss.
Drei Dokumente für alle, die tiefer einsteigen wollen
Der Blog erzählt die Geschichte. Die Signalwege, die Unreal-Integration und die belegten Effizienzwerte haben wir zusätzlich in drei englischen Dokumenten festgehalten. Alle drei gibt es hier als PDF zum Download.
Tech Paper 01
Der Signalweg im Video-Podcast-Studio und die Rolle von HDMI, NDI, SDI, PoE und vMix.
Signalweg · PDF (EN)Tech Paper 02
FreeD-Tracking, Unreal Engine, Live-Keying und der Datenfluss der drei Kameras.
Unreal Tracking · PDF (EN)Case Study
Zeit, Crew und Betrieb: was wir gemessen haben – und was wir bewusst nicht behaupten.
Effizienz · PDF (EN)Unser Fazit nach dem Einbau
Die Tail 2 ersetzt bei uns weder eine große Kamera mit Prime-Optik noch die Menschen in der Regie. Das muss sie auch nicht. Ihr Wert liegt an einer anderen Stelle: Sie macht bestimmte Produktionen reproduzierbarer. Feste Positionen, wiederholbare Presets, Tracking ohne zusätzlichen Aufbau und eine Kamera, die im Studio ebenso funktioniert wie im wetterfest geplanten Live-Setup.
Dass daraus eine Partnerschaft wurde, lag nicht daran, dass alles beim ersten Versuch perfekt war. Es lag daran, dass wir ein echtes Problem hatten, eine Lösung gebaut haben und auf der anderen Seite Menschen saßen, die darüber sprechen wollten. So entstehen Kooperationen, die mehr sind als ein Logo im Abspann.
Das Setup selbst ansehen?
Die Kameras sind in unseren Studios in Hamburg eingebaut. Wer die Tail 2 für das eigene Setup prüfen möchte, findet alle Details direkt bei OBSBOT.
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OBSBOT Tail 2 ansehenAffiliate-Link: Kaufst du über diesen Link, erhalten wir eine Provision.
Grundlage sind unsere Produktionen vom 21. und 22. Oktober 2026, die drei Videotranskripte sowie die an OBSBOT übergebenen Tech Papers und die Case Study.