Ein 24/7-Livestream aus einer kroatischen Villa. Zehn der größten deutschen Creator. Ein ständiger Wechsel aus XXL-Abendshows, rasanten Challenges und Koch-Formaten. Und am Ende: mindestens 220 Millionen kumulierte Views über alle Plattformen hinweg.
Was als Zuschauer:in auf Twitch, YouTube oder TikTok wie unbeschwertes Entertainment wirkt, ist hinter den Kulissen das Ergebnis einer kompromisslosen Produktionslogik. Mit „Splash House 2" haben i&u Studios , Hannes & Jeremy und das technische Team von Red Pinata bewiesen, was passiert, wenn Creator Economy auf echtes Broadcast-Niveau trifft.
Wir bei Red Pinata denken in Systemen. Wenn man ein Format über zwölf Tage (davon fünf Tage nonstop live) stabil auf Sendung halten will, reicht es nicht, einfach ein paar Kameras aufzustellen. Es braucht eine belastbare Infrastruktur, klare Red Ops und Workflows, die sowohl der Redaktion von i&u als auch den Creatorn maximale Freiheit geben. Hier ist der Deep Dive in das Setup, das Splash House 2 zu einem der erfolgreichsten Livestream-Events des Jahres 2026 machte.
Vom Ferienhaus zur belastbaren Produktions-Infrastruktur
Jedes skalierbare Format beginnt mit der Logistik. Zwei Tage vor dem offiziellen Produktionsstart machte sich die Red Pinata Crew auf den Weg. Ein komplett beladener Sprinter, vollgepackt mit Equipment, legte die Strecke von Hamburg über Augsburg bis nach Grubine, Kroatien, zurück. Die Mission: Die prachtvolle Aqualandia Villa in ein vollwertiges Studio-Setup zu verwandeln.
Die Basis für einen unterbrechungsfreien IRL-Stream (In Real Life) ist das Netzwerk. Statt sich auf eine einzelne Internetleitung zu verlassen, bauten wir eine redundante Multi-WAN-Architektur auf: Die 320/60 Mbit/s-Hausleitung der Villa wurde mit einem Array aus mehreren LTE-Modems unterschiedlicher Anbieter und einem Starlink-Terminal kombiniert. Die Bandbreite aller Verbindungen wurde aktiv aggregiert, sodass selbst bei Ausfall einzelner Leitungen kein einziger Frame verloren ging. Auf der lokalen Seite verteilten wir das Signal über ein dediziertes UniFi-WLAN-System, das das gesamte, weitläufige Villa-Gelände lückenlos abdeckte.
Die größte Lektion aus vergangenen IRL-Produktionen – etwa House-Touren, bei denen eine einzelne überlastete Internetleitung den Stream zum Absturz brachte – war eindeutig: Wir brauchten eine hermetisch abgeriegelte, mehrfach redundante Netzinfrastruktur. Genau diese aggregierte Multi-WAN-Bandbreite war exklusiv für die Regie und die Kamerasignale reserviert. Keine Kompromisse bei der Konnektivität.
Auf dieser Infrastruktur lief ein Format, das aus mehreren ineinandergreifenden Bausteinen bestand:
- Die Lidl-Kochshow: Tägliches Mittagsformat mit der „Lidl-Oma" Anelie.
- Die XXL-Abendshow: Komplexe Setups am Pool mit Spielen, Bestrafungen (etwa der „Hot Chip Challenge") und wechselnden Special Guests.
- Creator-Freiräume: Ungeplante, spontane Streams auf dem gesamten Gelände.
- Der Schlafstream: Ein automatisierter Night-Loop für die Nachtstunden.
Während die Creator tagsüber das kroatische Wetter am Pool genossen, befand sich das Herzstück der Produktion unter der Erde: Die Bild- und Tonregie wurde im Fitnessraum der Villa eingerichtet – direkt unterhalb der abendlichen Show-Bühne. Von hier aus zogen Kim, Maxime, Fabio, Till und Thao My hunderte Meter Kabel (HDMI, XLR und Netzwerk) quer durch das Gebäude zu den verschiedenen Sets wie der Küche, dem Schlafbereich und dem Pool.
Pre-Production: Wenn die Show in Hamburg beginnt
Was am Set wie Improvisation aussieht, ist in Wahrheit das Ergebnis von Wochen der Vorbereitung. In wöchentlichen Production-Calls mit der Redaktion von i&u Studios, dem Kreativteam um Hannes & Jeremy und unseren Engineers wurden Setlocations, Spielmechaniken und Signalwege bis ins Detail durchgesprochen. Maxime baute auf Basis von Location-Scouts eine eigene Pre-Visualization der Villa, mit der wir Kamerapositionen, Bühnenflächen und Lichtachsen schon Wochen vorher virtuell abgehen konnten.
Diese Vorlaufzeit machte einen entscheidenden Unterschied: Marcus und Fabio, unsere Audio-Techies, programmierten das Qu-16 Mischpult bereits in unserem Hamburger Studio komplett vor – inklusive aller Funkstrecken-Presets, Auto-Mixing-Profile und PA-Routings. Auch unsere Grafikerin Michelle baute alle vMix-Templates – Bauchbinden, Punkte-Overlays, Sponsor-Lower-Thirds – mit Placeholder-Assets vor, sodass am Set nur noch die finalen Texte und Logos eingetauscht werden mussten. Wer in Kroatien anreist, will keine Stunden damit verbringen, Fader zu beschriften.
Teil dieser Pre-Production war auch ein striktes Risiko-Management. Für die Outdoor-Abendshow am Pool entwickelten wir parallel einen Plan B(Indoor-Verlagerung in den Schlafstreambereich) und einen Plan C(kompaktes Mini-Set unter Dach). So war jederzeit klar: Selbst wenn der kroatische Fallwind oder ein plötzliches Gewitter zuschlägt, hat das Format eine Antwort – ohne Sendepause, ohne Stream-Abbruch.
Formatlogik in der Bildführung: Bewegung statt Statik
Ein klassischer Fehler vieler Livestream-Produktionen ist die Überladung mit unbemannten PTZ-Kameras (Pan-Tilt-Zoom). Sie bieten zwar Sicherheit, aber kaum Dynamik. Für Splash House 2 haben wir uns bewusst für eine agilere Formatlogik entschieden, um echte Watchtime und Nähe zu generieren.
Tagsüber gab es feste Winkel – etwa den Top-Shot für die tägliche Kochshow mit der „Lidl Oma" Anelie, die fest verkabelte Kamera in der „Lidl Call-In Corner" oder die stationäre Kamera im Schlafraum für den Night-Stream. Sobald aber Action gefragt war, kam unser mobiles Gimbal-Setup zum Einsatz. Unsere Camera Operators leisteten hier auf einem EasyRig Schwerstarbeit: Teilweise trugen sie das Gimbal mit der mobilen Kamera für vier bis fünf Stunden am Stück, um jede Emotion, jede Reaktion und jeden Schweißtropfen bei den Challenges hautnah einzufangen.
Insgesamt liefen fünf Kameras parallel im Setup: zwei Sony A7S und eine Sony A7M3 als Hauptachsen für Gimbal-Cams und Stativ-Positionen, eine Panasonic GH4 für ergänzende Perspektiven und eine Sony FS5 als dedizierte Nachtcam für den Schlafstream-Bereich. Diese Kombination aus Mobilität und festen Sicherheitsachsen ist der Schlüssel zu einer Bildsprache, die nicht nur dokumentiert, sondern inszeniert.
Für spezielle Setups wie die Lidl „Glibschboden"-Rutschchallenge nutzten wir gezielt Brennweiten. Eine Sony-Kamera mit einem 70-200mm Objektiv auf dem Stativ sicherte die Close-Ups, während eine Live-Drohne das Geschehen von oben wie eine kinoreife Verfolgungsjagd inszenierte. Diese Verzahnung aus High-End-Kameras (wie der Sony A7S III Serie) und fliegenden Perspektiven hob die visuelle Relevanz weit über herkömmliche IRL-Streams hinaus.
Lichtdesign: Atmosphäre als Format-Element
Bei einem Format, das nahtlos vom Tageslicht in die abendliche Primetime kippt, ist Licht nicht nur Hilfsmittel – es ist Dramaturgie. Für die XXL-Abendshow am Pool setzten wir auf ein abgestuftes Lichtdesign mit Astera Titan Tubes als RGB-Akzente, die rund um das Set für „Reality-Look" und farblich abgestimmte Stimmungen sorgten – inklusive eines an der Glasscheibe einheitlich durchlaufenden Farbkanals, der die Bühne wie eine Late-Night-Show wirken ließ. Die markanten blauen Akzent-Spots im Hintergrund, die immer wieder im Stream zu sehen waren, kamen von kompakten Astera AX3-Leuchten.
Für die Hauptachsen kamen Aputure 300X Scheinwerfer zum Einsatz, die das Set sauber freistellten, ohne harte Schatten in den Pool zu werfen. Spannend wurde es bei den mobilen Formaten: Für Außen-Challenges wie die Rutschbahn-Action setzten wir auf Aputure MC12 Mini-Lichtwürfel mit eigenen Power Banks. Die kleinen Würfel halten zwei bis drei Stunden, lassen sich überall hinklemmen und verwandeln dunkle Außenbereiche binnen Minuten in sendefähige Sets – ohne ein einziges zusätzliches Stromkabel.
Detailpunkte wie das beheizte Pool-Wasser auf 27°C oder die selektive Reduktion des Pool-Strahlers, damit unsere RGB-Akzente nicht überstrahlt werden, sind dabei keine Nebensächlichkeiten. Sie sind das, was den Unterschied zwischen „IRL-Stream mit Handy-Charme" und einer echten Show-Ästhetik ausmacht.
Der Creator-Hack: NDI-Phones als Format-Booster
Eines der größten Learnings und gleichzeitig eine der smartesten Workflow-Entscheidungen betraf die „Off-Zeiten". Wenn das große Besteck für die Abendshow vorbereitet wird, wie gibt man den Creatorn die Möglichkeit, organischen Content zu produzieren, ohne das System zu sprengen?
Die Lösung war eine Integration direkt in unsere Regie-Architektur: Wir installierten eine NDI-Kamera-App auf dem dedizierten Content-Smartphone der Creator. Über einen einfachen Knopfdruck auf dem Stream Deck in der Regie konnten wir das Haupt-Bild- und Tonsignal des Streams komplett auf dieses Smartphone umleiten.
Die Creator konnten sich völlig frei auf dem Gelände bewegen – ob auf dem Sportplatz, in der Küche, auf der Terrasse oder bei spontanen Reaction-Sessions im Schlafraum. Sie wurden selbst zu Regisseuren ihres Contents. Das System war für sie gelernt, intuitiv und extrem flexibel. Diese Dezentralisierung der Produktion, gestützt durch ein starkes zentrales Backbone, ist exakt das, was wir bei Red Pinata unter skalierbaren Systemen verstehen – „Social-First Formatlogik" im besten Sinne.
Audio-Systeme unter Extrembedingungen
Wer Videoproduktion versteht, weiß: Bild verzeiht Fehler, Ton niemals. Die Abendshows fanden auf der Terrasse direkt am Pool statt. Kroatien bescherte uns kalte Fallwinde aus den Bergen – der Albtraum für jeden Ton-Operator. Gleichzeitig saßen zehn meinungsstarke Creator eng beieinander und sprachen oft leidenschaftlich durcheinander.
Wir begegneten dieser Komplexität mit einem hybriden Setup: Für die großen Shows liefen 13 Funkstrecken parallel. Jeder der zehn festen Teilnehmer war mit einem professionellen Lavalier-Mikrofon verkabelt. Für Special Guests gab es zwei Handmikrofone („Handkeulen"), plus ein Shotgun-Mikrofon auf der mobilen Gimbal-Kamera als Backup und Fokus-Tool. Gemischt wurde dies über eine digitale Qu-16 Konsole. Um das Durcheinanderreden auszusteuern, nutzten wir ein Auto-Mixing-Feature, das die Pegel dynamisch anpasste und nicht-aktive Sprecher in Echtzeit absenkte – eine absolute Lebensversicherung für den Broadcast-Ton.
Für kleinere Gruppen am Tag und die täglichen Kochshows brachen wir die Komplexität radikal herunter. Hier nutzten wir DJI Mic Funkstrecken, die direkt in die Kamera-Signale gespeist wurden. Die Noise-Reduction dieser Mikrofone griff perfekt, und das Signal lief mitsamt dem Bild über die DJI-Funkstrecken direkt in die Regie. Das sparte Zeit beim Auf- und Abbau und lieferte dennoch astreine Audioqualität.
Zusätzlich bauten wir ein spezielles Routing für die „Mama" – eine Voice-of-God-Stimme der i&u-Redaktion, die über einen Effektmischer moduliert und sowohl live auf die PA-Anlage am Set als auch direkt in den Stream übertragen wurde.
Ein scheinbar banales, aber kritisches Detail in einer mehrstündigen Live-Show: Lavalier-Sender halten in der Praxis maximal vier Stunden. Wir bauten daher einen festen Battery-Swap-Workflow in die Dramaturgie ein – während Spielpausen, Toilettengängen oder Outfit-Checks zogen wir Creator gezielt aus dem Set, tauschten Akkus, briefen die Crew über offene Mikros und schickten alle wieder rein. Das klingt nach Banalität, ist aber in einer Live-Show genau der Unterschied zwischen makellosem Sound und einem peinlichen Aussetzer mitten im Höhepunkt.
Red Ops: Die Symbiose aus Redaktion und Technik
Ein Livestream ist nur so gut wie die Verzahnung von Content und Technik. Die Redaktion von i&u Studios hatte ein enorm dichtes Programm mit Sponsoren-Einbindungen (Lidl, Pepsi, DKMS, RUF Reisen), Memory-Spielen, Werwolf-Runden und Rankings entwickelt. Besonders schön gelöst: Die DKMS-Aktivierung lief nicht als plumper Werbeblock, sondern als Team-Battle „Team Hannes vs. Team Jeremy" mit einem QR-Code-Mechanismus, über den Zuschauer:innen sich live als Stammzellspender registrieren und den Punktestand ihres Teams beeinflussen konnten – Sponsoring, das Reichweite in echte Wirkung übersetzt.
Um diese Fülle an Informationen elegant auf den Bildschirm zu bringen, richteten wir ein hochdynamisches vMix-System ein. Anstatt statische Bauchbinden manuell abzufeuern, verknüpften wir die Regie-Software mit einer dynamischen Datei. Die Redakteur:innen von i&u konnten Punktestände, Namen oder Aufgabenbeschreibungen in Echtzeit umschreiben. Unser vMix-System rief diese Datei alle 5 Sekunden automatisch ab. Wir in der Regie mussten nur noch den Trigger setzen, und die aktualisierte Grafik erschien im On-Design der Show.
Dieser Workflow minimiert Fehler, entlastet die Bildregie und sorgt für ein visuelles Finish auf TV-Niveau. Es ist genau dieser Red Ops-Gedanke, der den Unterschied zwischen einem chaotischen Stream und einer strukturierten Show macht.
Wirkung statt Hype: Das Fazit
Nach fünf intensiven Tagen und Nächten, unzähligen Batteriewechseln an Lavalier-Mikrofonen, spontanen Reaction-Cams und perfekt sitzenden dynamischen Grafiken fiel am 3. Mai der Vorhang. Trotz rauer Winde, nächtlicher Umbauten und spontaner Format-Änderungen lief das System. Executive Producer Thomas Sohns (i&u Studios) brachte es nach der Produktion auf den Punkt: „Diese Produktion konnte nur so funktionieren, weil ALLE weit über ihre eigentlichen Aufgaben abgeliefert haben und zeitlich über ihre Grenzen gegangen sind. Wir haben richtige Highlights geschaffen und eine schöne Show mit perfektem Finale geliefert."
Mindestens 220 Millionen Views sind kein Zufall. Sie sind das Resultat aus der Reichweite großartiger Creator, den mutigen Ideen einer Redaktion und einer technischen Produktionslogik, die dem Format dient. Splash House 2 hat gezeigt, dass moderne Media-Produktionen nicht laut und unstrukturiert sein müssen. Wenn die Infrastruktur steht, entsteht Raum für Authentizität – und daraus resultiert echte Relevanz.
Bei Red Pinata bauen wir nicht einfach nur Videotechnik auf. Wir denken Systeme, die Creators enablen und Markenbotschaften nachhaltig platzieren. Von der Kabelplanung in der Mittagshitze bis zur sekundengenauen Bauchbinde in der Primetime.
Danke an alle, die Splash House 2 möglich gemacht haben
Ein Format wie dieses entsteht nicht im Alleingang. Unser herzlicher Dank geht an das gesamte Team von i&u Studios – an die Redaktion, die Producer, die Showrunner und alle, die Tag und Nacht im Hintergrund das Programm zum Leben erweckt haben. Eure Ideen, eure Energie und euer Vertrauen in unser Setup waren die Grundlage für jede einzelne Sekunde Sendezeit.
Und natürlich an die Creator:innen, die mit ihrer Persönlichkeit, ihrem Mut und ihrer Reichweite den Stream getragen haben:
Hannes, Jeremy, Romina, Livia, Fibi, Tobi, Brooklyn, Laura Franziska, Anton, Lamborgina, Woistlena, Nahimsky, Riton, Jeannie, Emily, Jason – und alle weiteren Gäste, Crew-Mitglieder und stillen Held:innen, die wir hier vergessen haben.
Ihr habt aus einer Villa in Kroatien ein Format gemacht, das mindestens 220 Millionen Menschen erreicht hat. Auf das nächste Kapitel.
Folgt Hannes & Jeremy
Den Content von Hannes & Jeremy gibt es auf diesen Kanälen:
Spielt Splash – die Party-Game-App von Hannes & Jeremy
Wer beim Stream Lust auf Werwolf, „Würdest du eher" und Co. bekommen hat: Hannes & Jeremy haben ihre Lieblings-Party-Spiele in einer eigenen App gebündelt. Klassiker wie Werwölfe, Wahrheit oder Pflicht und 100 Fragen treffen auf neue Hits wie Bomb Party, Impostor und 10/10. Perfekt für Game-Nights, Geburtstage und Roadtrips.